Bericht eines syrischen Flüchtlings

Besuch von Frau Ruth Müller MdL an der Fremdsprachenschule
Besuch von Frau Ruth Müller MdL an der Fremdsprachenschule am 13.07.2017
20. Juli 2017
35 Absolventen verabschiedet
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27. Juli 2017
Bericht eines syrischen Flüchtlings

Bericht eines syrischen Flüchtlings

Bericht  eines syrischen Flüchtlings

Hamada heißt der junge Mann, ist 21 Jahre alt und lebt seit 19 Monaten in Deutschland, genauer gesagt in Dingolfing. In seiner Heimat hatte er eine sichere Karriere vor sich, denn er stammt aus einem behüteten, gutbürgerlichen Umfeld und er hatte ein Jurastudium aufgenommen. Vor gut zwei Jahren sah sich der kurdische Syrer zur Flucht gezwungen, da er in seinem Heimatland als Wehrpflichtiger nur zwei Optionen hatte: Als Kurde von IS-Kämpfern bevorzugt getötet zu werden, oder als Soldat töten zu müssen.

Hamadas Eltern haben fünf Kinder, außer zwei jüngeren Brüdern gibt es noch zwei weitere, jüngere Schwestern. Um das Leben der beiden Söhne zu retten, verkauften die Eltern Haus und Auto und statteten sie so mit Geldmitteln für die gefährliche Flucht nach Europa aus. Der jüngere Bruder hatte Glück: Ihm gelang auf Anhieb die Flucht über den Metallzaun, der Syrien von der Türkei trennt, und er fand im Nachbarland einen Schleuser, der ihm den Fluchtweg nach Deutschland organisierte. Hamada wurde am Grenzzaun verletzt, er musste zunächst einmal zurück in ein syrisches Krankenhaus, bevor er nach seiner Gesundung erneut die Flucht wagte. Nach wochenlangem Fußmarsch durch die Türkei wurde er in einem Wald in Bulgarien aufgegriffen und von den Häschern 15 Tage lang bei unmenschlichen Bedingungen – kaum etwas zu essen und nur wenig, dafür unsauberes Wasser zu trinken – in einem Gefängnis festgehalten. Hintergrund dieser Aktion: Bulgarien hat als Erstaufnahmeland die Verpflichtung, die Identität der Flüchtlinge festzustellen, bekommt dafür jeweils 400 Dollar von der UNO. Sobald die Kopfprämie kassiert ist, wird der Unglückliche freigelassen und kann seine Odyssee fortsetzen, die ihn über Serbien, Kroatien, Ungarn und Österreich nach Deutschland führte. Laut EU-Gesetzeslage werden Flüchtlinge in das Erstaufnahmeland abgeschoben, Hamada hatte aber das großes Glück, in Dingolfing Kirchenasyl gewährt zu bekommen, da seine Geschichte Pfarrer und Kirchenvorstand überzeugten.

Der sympathische Einundzwangigjährige wartet dort seit 8 Monaten auf das Ergebnis seines Anerkennungsverfahrens als Asylbewerber. Inzwischen ist er aus Überzeugung zur evangelischen Kirche konvertiert, von der er über Monate hinweg Unterstützung erfahren hat. Er hat unter Schwierigkeiten  die Sanitätsgrundausbildung beim Bayerischen Roten Kreuz absolviert („es war alles auf Bayerisch, das war sehr schwer – ich war wie ein Tisch“) und ist aktives Mitglied des bayerischen Roten Kreuzes im Sanitätsrettungsdienst, und hat in dieser Funktion dem Pilgerzug nach Altötting unterstützt, oder auch die Waldjugendspiele der Grundschüler begleitet.

Hamada hofft, in Deutschland bleiben zu können, bis der Krieg in seiner Heimat vorüber ist. Seinen Traum, in Syrien sein Jurastudium fortsetzen zu können, hat er aufgeben müssen. Nun wünscht er sich hier in Deutschland im September eine Ausbildung zum Medizinischen Fachangestellten beginnen zu können.

Die Schülerinnen und Schüler der Fremdsprachenschule hörten Hamada gebannt zu und luden ihn ein, sie bald wieder zu besuchen, um den Kontakt vertiefen zu können.